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Rezept Pesto Rosso Paprika Walnüsse-1

Pesto ist wohl DAS Vorzeigebeispiel, mit dessen Hilfe in Kochbüchern und auf Foodblogs gegen Supermarktware gewettert wird. Minderwertige Ware sei das, selber machen keine Arbeit und sowieso und überhaupt … Ohne dem jetzt völlig widersprechen zu wollen (gerade in billigem Pesto sollte man keine Pinienkerne erwarten …), kann ich den Griff zum Glas doch irgendwie nachvollziehen. Nach Hause kommen, Nudeln in den Topf hauen, währenddessen den Esstisch freiräumen und am Ende einfach ein Glas öffnen und fertig ist das Abendessen. Pappiges Fast Food fände ich da schlimmer. Bei mir im Büro gehört Pesto aus dem Supermarktregal deswegen auch zu den Notfallplänen, wenn mal wieder niemand an das Mittagessen gedacht hat und keine/r Zeit hat, mal eben was zu schnippeln.

Allerdings geht es auch anders und die Begeisterungsstürme, mit denen ich nach dem Zusammenrühren dieses roten Pestos aus Paprika, Tomaten und Walnüssen durch die Wohnung gerannt bin, kann am Ende doch kein gekauftes Produkt hervorrufen. Frisch aus dem Mixbecher hat mich die Kombination wirklich völlig umgehauen und ich musste mich beherrschen, nicht direkt alles auf der Stelle auszulöffeln. Das ist für mich dann auch eines der tollsten Dinge am Kochen – dass ich aus dem Nichts etwas Neues schaffen und meine Geschmacksnerven immer wieder überraschen kann. Andere Leute mögen ihre Erfüllung beim Triathlon oder auf Berggipfeln finden, mein Zieleinlauf findet dagegen am Herd statt.

Rezept Pesto Rosso Paprika Walnüsse-2

Pesto Rosso mit gegrillter Paprika und Walnüssen (ergibt ca. 300 ml):

3 rote Paprika
70 g Walnüsse
150 g getrocknete eingelegte Tomaten
1 große Knoblauchzehe, grob gehackt
10-15 Blätter Basilikum
5-7 Zweige Thymian
30 g geriebener Parmesan
40-70 g Olivenöl (je nach Verwendungszweck, ob als Aufstrich oder für Nudeln)
1 Spritzer Zitronensaft
Salz, Pfeffer

1. Die Paprika waschen, entkernen und halbieren. Dann im Ofen unter den Grill legen, bis die Haut schwarz wird und Blasen wirft. Mit einer Zange aus dem Ofen holen und für 10 Min. in einen verschlossenen Gefrierbeutel geben. Anschließend sollte sich die Haut ganz einfach abziehen lassen. Währenddessen die Walnüsse in einer Pfanne anrösten, bis sie zu duften beginnen.

2. Die geschälten Paprika, Walnüsse, getrocknete Tomaten, Knoblauch und Kräuter mit einem Stabmixer oder dem Standmixer je nach gewünschtem Feinheitsgrad pürieren (Sabrina bevorzugt das Pesto etwas gröber, bei mir darf es eher etwas feiner sein). Parmesan und Olivenöl unterrühren und mit Zitronensaft, Salz und Pfeffer abschmecken.

3. In saubere Gläser abfüllen und mit einer dünnen Schicht Olivenöl bedeckt im Kühlschrank aufbewahren (und ich kann euch versichern, lange wird es dort nicht bleiben!).

Dass sich das Pesto Rosso vielfach einsetzen lässt, konnten wir gleich am letzten Wochenende ausgiebig testen. Das Pesto Rosso landete sowohl auf einem vegetarischen Burger und einem überbackenen Ciabatta als auch ganz klassisch auf einem Berg Pasta. In allen Varianten schlug es sich hervorragend und darf in Zukunft also öfter mal bei uns einziehen.

 

Pfirsich-Basilikum-Limonade Rezept-3

Ich habe das Fahrradfahren verlernt. Kennt ihr den Spruch “… das ist wie Fahrradfahren, das verlernt man nie!”? Ich bin der lebende Beweis, dass das sehr wohl geht! Schuld daran sind 15 fahrradfreie Jahre, davon acht Jahre in einer fahrradunfreundlichen Stadt (viele Berge!), und – ich gebe es ja zu – eine nicht zu unterschätzende Portion Faulheit. Der Umzug in die Großstadt erweckte dann mit einem Mal das dringliche Bedürfnis nach einem eigenen Rad, mit dem man wahlweise an lauen Sommerabenden an der Isar entlangradeln oder mal eben samstags zum Markt düsen könnte, um dort das schnieke Fahrradkörbchen mit frischem Gemüse vollzupacken. Noch mehr romantisierter Fahrradkitsch? Kein Problem, ich hätte da noch mehr auf Lager …

Könnt ihr euch denken, wie oft ich das dann in die Tat umgesetzt habe? Nicht ein einziges Mal. Nach der ersten Testfahrt durch die sicheren Hallen der Tiefgarage musste ich nämlich mit Schrecken feststellen, dass das mit dem Geradeausfahren nur bedingt klappte und Kurven erst recht ein Problem darstellten. Erst ein sommerlicher Sonntag vor ein paar Wochen brachte neuen Mut; das Fahrrad und ich wagten uns in die Öffentlichkeit und in den Park. Dass stärkender Proviant bei einem so abenteuerlichen Ausflug natürlich nicht fehlen durfte, ist ohnehin klar. Der Fahrradkorb wurde also endlich gefüllt: eine Picknickdecke, zwei kleine Flaschen erfrischende Pfirsich-Basilikum-Limonade, etwas Obst und ein Buch – genug für einen sonnigen Fahrradnachmittag im Park.

Pfirsich-Basilikum-Limonade Rezept-1-2

Pfirsich-Basilikum-Limonade (für 1 Liter; inspiriert von diesem Rezept):

80 g Zucker
100 ml Wasser
5-8 Basilikumzweige
120 ml Pfirsichsaft
100 ml frisch gepresster Zitronensaft
580 ml Mineralwasser

1. Zucker, Wasser und Basilikumzweige in einem Topf aufkochen. Vom Herd nehmen und abgedeckt ca. 4-6 Std. ziehen lassen.

2. Die Basilikumzweige entnehmen, das Basilikum-Zuckerwasser mit Pfirsich- und Zitronensaft in eine Karaffe füllen, gut verrühren und mit kaltem Mineralwasser aufgießen.

Pfirsich-Basilikum-Limonade Rezept-2

Nach mehreren Runden durch den Park klappt das Geradeausfahren mittlerweile schon wieder ganz gut (die leckere Pfirsich-Basilikum-Limonade hat dabei geholfen, ich bin mir sicher!). Beim nächsten Mal wird an den Feinheiten gearbeitet, denn – peinlich, peinlich – enge Kurven kann ich immer noch nicht fahren. Aber ich bin zuversichtlich und werde den Sommer über ein wenig an meiner Technik feilen. Dann werde ich vielleicht auch nicht mehr von Vierjährigen auf ihren Dreirädchen überholt …

Pestoschnecken mit Pistazienpesto-2

Was tun, wenn man sich mit der Menge des Pistazienpestos ein wenig verkalkuliert hat? Zwar können wir von der leckeren grünen Soße im Glas gar nicht genug bekommen, doch immer nur mit Pasta oder zusammen mit Frischkäse auf dem Brot, wird irgendwann doch etwas langweilig. Die Idee, das Pesto einfach in knusprigen Hefeschnecken zu verstecken, kam also wie gerufen. Die kleinen grünlich schimmernden Schnecken sehen nicht nur herzallerliebst aus, sondern haben sich auch als ideale Begleiter für einen Grillabend erwiesen!

Pestoschnecken mit Pistazienpesto-3

Pestoschnecken (für 4 mittelgroße Hefeschnecken):

400 g Weizenmehl Type 550
100 g feines Grießmehl
1 TL Meersalz
1 Pck. Trockenhefe (7 g)
1 Prise Zucker
2 EL Olivenöl + etwas mehr zum Einölen des Blechs
325 ml lauwarmes Wasser
ca. 8-10 EL Pesto nach Wahl

1. Die beiden Mehlsorten zusammen mit dem Salz in einer Schüssel vermischen und eine Mulde in das Mehl drücken. Die Trockenhefe in einer separaten Schüssel mit Zucker, Olivenöl und Wasser verrühren und ca. 10 Min. gehen lassen. Die Flüssigkeit nach und nach zum Mehl geben und mit den Knethaken eines Mixers oder per Hand unterrühren und so lange verkneten, bis ein elastischer Teig entsteht. Den Teig zu einer Kugel formen, in eine bemehlte Schüssel geben, mit einem Tuch abdecken und ca. 1 Std. an einem warmen Ort gehen lassen.

2. Den Ofen auf 180°C vorheizen. Den aufgegangenen Teig auf einer bemehlten Arbeitsfläche noch einmal durchkneten. Aus dem Teig 4 gleich große Kugeln formen. Jede Kugel möglichst rechteckig ausrollen, mit etwas Pesto bestreichen, dann von unten nach oben aufrollen und zu einer Schnecke eindrehen. Das Teigende auf der Unterseite des Bodens einklemmen. Eine genaue bebilderte Anleitung findet ihr übrigens auf 1 Big Bite.

3. Ein Backblech mit etwas Öl einölen. Die Schnecken vorsichtig auf das Blech setzen und ca. 25 Min. im Ofen goldbraun backen. Idealerweise noch am gleichen Tag auffuttern, denn frisch und noch etwas warm schmecken sie am besten!

Pestoschnecken mit Pistazienpesto-1

Cucumber_Mint_Gin_Cooler-1

Wer uns bei Twitter oder Instagram folgt oder unseren Artikel zu San Sebastián gelesen hat, sollte gemerkt haben, dass wir eine winzige Abhängigkeit entwickelt haben. Unsere Liebe gilt seit einiger Zeit dem Gin! Zwar begleitet uns der Gin and Tonic eigentlich schon seit dem Studium, doch so präsent und “im Trend” wie aktuell haben wir ihn noch nicht erlebt. Deutlich mehr als 30 verschiedene Sorten Gin werden inzwischen alleine in Deutschland destilliert, und jede Bar, die etwas auf sich hält, schafft hinter der Theke Platz für ein paar neue Flaschen Wacholderschnaps (oder auch mal für 130, wie im Falle des Couch Club). Plötzlich wird überall mit dem passenden Tonic experimentiert, und selbst der klassische Drink schlechthin, der Martini, erhält mit dem Überflieger Monkey 47 plötzlich einen ganz neuen Dreh. Und so kommt es, dass auch im Hause feed me up die bauchigen Weingläser (das haben wir uns in Spanien abgeschaut) regelmäßig mit Gin, Tonic und Eis gefüllt werden und mit den verschiedensten Einlagen wie Rosmarin, Gurke, Früchten oder Zitrusschalen experimentiert wird. Aber es geht natürlich noch etwas aufwendiger, und so haben wir für euch einen Drink kreiert, der die typischen Geschmacksnoten des Gins aufnimmt, aber noch um ein paar weitere frische Aromen ergänzt und somit perfekt für heiße Sommertage geeignet ist. Im Übrigen ist das auch ein Drink, der sich super in größeren Mengen zubereiten lässt und damit den Durst ganzer Gruppen von Partygästen stillen kann. Cheers!

Gurke-Minz-Cooler mit Gin by feed me up before you go-go-1

Gurken-Minz-Koriander-Cooler (für zwei Personen):

½ Gurke, geschält und klein geschnitten + 2 Gurkenstangen für die Garnitur
1 große Handvoll Minzblätter + 2 Stengel für die Garnitur
Saft von 1 Limette
4-6 cl Gin (z.B. Bombay Sapphire)
7-9 EL Koriandersirup (100 ml Wasser mit 60 g Zucker aufkochen lassen, vom Herd nehmen, zwei große Hände Korianderblätter dazugeben und 6 Stunden ziehen lassen. Durch ein Sieb gießen und im Kühlschrank aufbewahren)*
1-2 große Handvoll Eis

1. Die Gurke zusammen mit der Minze und dem Limettensaft im Mixer pürieren. Gin und Koriandersirup kurz untermixen. Das Eis dazugeben und so lange mixen, bis das Eis klein genug ist. Wer keinen Mixer hat, der Eiswürfel zerkleinern kann, nimmt entweder fertiges Crushed Ice oder gibt einfach normale Eiswürfel ins Glas.

2. Die Mischung auf zwei Gläser verteilen, mit Minzstengel und Gurkenstangen garnieren und genießen.

*Wem die Sache mit dem Koriandersirup zu aufwendig ist, kann auch einige Korianderblätter zusammen mit der Minze pürieren und ganz normalen Zuckersirup verwenden.

Lagavulin Whisky Scottish Carbonara-2

In der Süddeutschen Zeitung wurde vor Kurzem eine Kolumne veröffentlicht, die sich mit dem Whiskyboom im Allgemeinen und dem gesteigerten Interesse von Männern um die 30 für Single Malt im Besonderen beschäftigte. Angelehnt an den dort zitierten tollen Song der Schweizer Band Die Aeronauten könnte man wohl auch sagen: “Mit dem Alter fängt man an, sich für Whisky zu interessieren”. Ich muss zugeben, ich habe mich in den Zeilen der Autorin wiederfinden können (und die Bekannte, die mich auf den Artikel aufmerksam machte, offensichtlich auch), auch wenn ich noch keinen persönlichen Spirituosenhändler habe. Allerdings möchte ich darauf hinweisen, dass ich immerhin schon mit Mitte 20 meine ersten (ernstzunehmenden) Whiskyerfahrungen gemacht habe. Zusammen mit zwei Freunden wurden erstmals torfige Aromen erschnuppert, das Brennen im Hals ignoriert und mit dunkler Schokolade als kulinarischem Support experimentiert (Foodpairing würde man das wohl heute nennen). Vor allem aber kamen wir uns dabei sehr erwachsen vor. Und männlich vermutlich auch. Leider habe ich keine Ahnung mehr, welche Sorten wir damals überhaupt verkostet haben und würde mich auch gerne daran erinnern, welchen Whisky ich einem dieser Freunde vor Jahren mal zum Geburtstag geschenkt habe.

Lagavulin Whisky Scottish Carbonara-1

Woran ich mich allerdings noch sehr gut erinnern kann, ist meine erste eigene Flasche Single Malt. Die besagten zwei Freunde haben sie mir vor vier Jahren zur Hochzeit geschenkt (da passte das um die 30 dann doch ganz gut) und mich gleich mit einem richtigen Klassiker beglückt. Ein 16-jähriger Lagavulin war das damals, der leider schon lange leer ist, aber ich erinnere mich noch genau an den vollen torfigen Geschmack des Islay-Whiskys. Seit dem Lagavulin sind viele weitere Flaschen auf unserem Regal gelandet und noch viel mehr Whiskys durch meine durstige Kehle geflossen. Ein Lagavulin war leider nicht mehr dabei. Bis heute. Denn die netten Menschen des neuen Onlineshops Alexander & James haben mich gefragt, ob ich nicht mal ihr Angebot durchforsten und mir eine Flasche aussuchen möchte. Da habe ich natürlich nicht lange überlegen müssen, und vor drei Wochen kam schließlich eine Kiste im Büro an, in der nobel verpackt eine Flasche Lagavulin lag. Aber nicht irgendein Lagavulin, sondern eine Flasche der aktuellen Distillers Edition. Dieser feine Tropfen darf nach der obligatorischen Lagerung in amerikanischen Eichenfässern noch einige Jahre in spanischen Pedro-Ximénez-Fässern verbringen. Wer meine letzten Posts zum Thema Whisky gelesen hat (z.B. zu Slyrs und zum Glemorangie Lasanta), der dürfte wissen, was das bedeutet: Sherryaromen galore! Mehr Süße! Rosinen! Und ja, all das bietet die Distillers Edition in der Tat. Aber keine Angst, im Herzen bleibt dieser Whisky immer noch ein Lagavulin und das heißt natürlich: Torf! Torf! Torf! (Oder Aschenbecher, wie Sabrina meint).

Scottish_Carbonara_Pasta_Lagavulin-1

Sobald man die Nase ins Glas steckt, fällt dementsprechend als erstes der starke Rauchgeruch auf. Ein sehr intensiver Duft steigt da empor, aber neben dem dominanten Rauch lassen sich auch Zitrusnoten und ein gewisser Strandgeruch erkennen. Im Mund entfalten sich die Torfnoten natürlich auch, aber der Whisky ist für einen Lagavulin trotzdem erstaunlich sanft. Vanille, Zitrus und Salz erreichen die Geschmacksnerven und schließlich mischt sich die typische Sherrysüße (Rosinen, getrocknete Aprikosen) mit einer erneuten Torfwelle. Der Abgang ist unglaublich lang und ich hatte den Geschmack noch eine halbe Stunde nach dem ersten Glas im Mund. In meinen Augen eine tolle Ergänzung zum 16-jährigen und mit einer guten Schippe Komplexität on top.

Ein kräftiger Whisky verlangt natürlich auch nach einem deftigen Essen (da wären wir wieder beim Foodpairing), und mein erster Gedanke war, den Lagvulin mit Grillfleisch und einer Schokoladen-Chili-Soße zu kombinieren. Die Idee dahinter war, dass ich ein Gericht kreieren wollte, das sowohl die Rauchigkeit als auch die herbe Süße beeinhaltet, die diesen Whisky auszeichnet. Da aber unser neuer Lotusgrill noch auf sich warten ließ, musste stattdessen der Herd zum Einsatz kommen. Ausgedacht habe ich mir eine schottische Variante der Spaghetti Carbonara – Scottish Carbonara sozusagen. Ich habe den Pancetta durch rauchigen Bacon ersetzt, die Zwiebeln schön langsam karamellisieren lassen und alles zum Schluss mit einem ordentlichen Schuss Lagavulin Distillers Edition abgelöscht. Als Käse kam natürlich schottischer Cheddar zu Einsatz, aber auch Dunlop Cheese könnte ich mir gut vorstellen. Am Tisch wurde selbstverständlich ein weiteres Glas Lagavulin dazu gereicht, und fertig war eine perfekte Mahlzeit. Wer braucht da noch Wein zum Essen?

Lagavulin Whisky Scottish Carbonara-4

Scottish Carbonara (für 2 Personen):

250 g Spaghetti oder Linguine
1 mittelgroße Zwiebel
1 Knoblauchzehe
1 EL gehackte rote Chili
50 g Cheddar (oder schottischer Dunlop Cheese)
150 g Bacon
3 große Eier
4 cl Lagavulin Distillers Edition (oder ihr experimentiert mit einem anderen Islay-Whisky)
Olivenöl, Salz, Pfeffer

1. Die Zwiebel in feine Würfel schneiden und den Knoblauch hacken. Den Käse fein reiben, den Bacon in Würfel schneiden. Die Eier in einer Schüssel aufschlagen und mit dem geriebenen Käse verrühren. Die Nudeln in einem Topf mit Salzwasser gar kochen.

2. In einer großen Pfanne bei mittlerer Stufe 3-4 EL Olivenöl erhitzen. Zwiebeln, Knoblauch und Chili darin ca. 5 Min. anbraten. Anschließend den Bacon dazugeben und alles weitere 6-8 Min. anbraten. Mit dem Whisky ablöschen und den Bodensatz in der Pfanne ablösen.

3. Die Pfanne vom Herd nehmen, die tropfnassen Nudeln hinzugeben und anschließend die Eier-Käse-Mischung unterrühren. Mit Salz und Pfeffer würzen und noch einen Moment ruhen lassen. Anschließend auf zwei Teller verteilen und mit jeweils einem Glas Lagavullin Distillers Edition servieren.

Wenn ich mir die wachsende Sammlung auf dem Regal anschaue, könnte es langsam wirklich an der Zeit sein, sich mit einen Spirituosenhändler anzufreunden. Wer keinen entsprechenden Laden in Laufnähe hat, kann ja mal einen Blick in den Onlineshop von Alexander & James werfen, die sich selbst als Luxuskaufhaus verstehen. Jede Bestellung wird in einer edlen Verpackung geliefert, was vielleicht auch die nicht ganz günstigen Preise erklärt. Macht aber als Geschenk definitiv was her und hat bei meinen Kolleginnen für bewundernde Blicke gesorgt.

Lagavulin Whisky Scottish Carbonara-3

Vielen Dank an Alexander & James, die mir den Lagavulin zur Verfügung gestellt haben. Meine Meinung bleibt davon, wie immer, unberührt.

Kokos-Ingwer-Limetten-Kuchen-2

Wenn KollegInnen panische E-Mails schreiben und Anrufe von verzweifelten Tanten kommen, weil sie ein Rezept nicht auf dem Blog finden – das EINE Rezept! – dann sollte klar sein, dass etwas passieren muss. Eigentlich ist es unverständlich, warum es dieser Kuchen bisher noch nicht auf den Blog geschafft hat, denn diese Neuerfindung des langweiligen Rührkuchens war in den letzten zwei Jahren unsere Geheimwaffe. Geburtstage im Büro? Einladung bei den Verwandten? 17 Stunden Busfahrt nach Serbien? Kein Problem, der Kokos-Ingwer-Limetten-Kuchen wirds schon richten!

Und falls es mal dazu kommen sollte, dass der Kuchen nicht innerhalb weniger Stunden aufgefuttert wird (möglich, aber seeehr unwahrscheinlich), ist das auch gar kein Problem. Denn der Kuchen ist so saftig und fluffig, dass er auch nach zwei Tagen noch genauso hervorragend schmeckt, wie am ersten Tag!

Kokos-Ingwer-Limetten-Kuchen-1

Ingwer-Limetten-Kuchen mit gerösteten Kokoschips (für eine Kastenform):

Für den Teig
1 Bio-Limette
60 g Ingwer
200 g weiche Butter + etwas mehr zum Einfetten der Form
250 g Zucker
1 Prise Salz
4 Eier
250 g Mehl
2 TL Backpulver
50 g Kokosflocken
8 EL Kokosmilch
50 g Zucker

Für die Glasur
2 gute Handvoll Kokoschips
200 g Puderzucker
3-4 EL Kokosmilch

1. Den Ofen auf 160°C vorheizen. Für den Teig die Limette heiß abwaschen. Die Schale abreiben und den Saft auspressen. Den Ingwer schälen und fein reiben. Butter, Zucker, Salz, Ingwer, Limettenschale und -saft in einer Schüssel miteinander cremig verrühren. Eier nacheinander unterrühren. Mehl, Backpulver und Kokosflocken miteinander vermischen und im Wechsel mit der Kokosmilch unter den Teig geben und alles gut verrühren.

2. Eine Kastenform gut mit Butter einfetten. Den Teig in die Form füllen und auf der mittleren Schiene des Ofens ca. 1,10 Std. backen. Nach dem Backen, den Kuchen 10 Min. in der Form auskühlen lassen, dann auf ein Kuchenrost stürzen und komplett abkühlen lassen.

3. In der Zwischenzeit die Kokoschips im Backofen bei 100°C ca. 15 Min. backen, bis sie leicht gebräunt sind. Für die Glasur Puderzucker mit Kokosmilch glatt rühren und den ausgekühlten Kuchen damit bestreichen. Dann sofort mit Kokoschips bestreuen.

Kokos-Ingwer-Limetten-Kuchen-3

Die Inspiration zu diesem Kuchen fanden wir übrigens in der allerersten Ausgabe der Zeitschrift Deli. Lustigerweise liefert der Kuchen auch noch das Rezept, das einem Beitrag zur aktuellen (und auf dem Blog bewusst ignorierten) WM wohl am nächsten käme. Immerhin sind Limetten und Kokos ja ein wesentlicher Bestandteil des Kuchens und der (natüüüürlich stets journalistisch fundierten) TV-Berichterstattung zufolge, wird in Brasilien schließlich den ganzen Tag nichts anderes gegessen, oder?

Taqueria Milagros München-3

Schock lass nach! Da wollten wir in der letzten Woche unseren Besuch davon überzeugen, dass mexikanisches Essen so viel mehr sein kann als mehlige Bohnen, fettiges Fleisch und billige Soßen, und dann müssen wir feststellen, dass unser Lieblingsmexikaner offensichtlich das Handtuch geworfen hat. Dabei war das Milagros am Rande des Viktualienmarkts wirklich eine Perle, die uns bei jedem Besuch aufs Neue begeistern konnte. Aber zum Glück gibt es schon seit dem letzten Jahr einen Ableger, der uns auch in Zukunft mit köstlichem mexikanischen Essen versorgen wird. Die Taquería Milagros ist quasi die kleine Schwester des Restaurants, die sich auf mexikanisches Street Food spezialisiert hat. Zu finden ist der Laden am Isartor und liegt damit schön in Laufnähe zum Isarstrand. Normalerweise besticht die Fressmeile zwischen Isartor und Fluss nicht gerade durch besonders durchdachte ästhetische Konzepte. Viele der dort ansässigen Imbissbuden und Ketten richten sich wohl in erster Linie an Touristen und feierwütige Jugendliche. Die Taquería mag auf diese Zielgruppe sicher ebenso wenig verzichten, aber man hat sich – wie bereits beim Milagros – wirklich viel Mühe gegeben, ein stimmiges Konzept auf die Beine zu stellen. Authentisches mexikanisches Street Food soll an die Kundschaft gebracht werden (wie in anderen Münchner Läden auch, z.B. dem Pure Burrito oder dem Condesa). Dementsprechend mutet die Inneneinrichtung ein wenig runtergerockt an. Stylish runtergerockt versteht sich. Neonfarbene Luchadormasken, bewusst abgerissene Plakate, leuchtende Farben und Schilder auf Spanisch sollen uns in das Herz von Mexiko versetzen. Mission erfüllt, würde ich sagen, und dem Andrang nach zu schließen, sehen das wohl auch andere so.

Taqueria Milagros München-1

Aber wichtiger als die Einrichtung ist natürlich das Essen. An der Theke, hinter der die frischen Zutaten zu bewundern sind, wählt man zunächst zwischen Burritos, Tacos, Quesadillas, Papas al Horno oder Nachos, und sucht sich dann die passende fleischige oder vegetarische Füllung aus. Beim letzten Besuch waren wir mehr als hungrig, und so gab es für alle einen Burrito (6,50€) und dazu eine Portion vegetarische Quesadillas (6,50€). Erfreulicherweise gibt es auch in der Taquería die aus dem (untergegangenen) Mutterschiff bekannten Aquas Frescas – mexikanische Limonaden -, sodass Sabrina und meine Schwester glückselig an einer Horchata (3,90€) nuckeln konnten, während wir auf unsere Bestellung warteten. Schließlich landete alles in einer großen Papiertüte, und auf gings zur Isar. Unterhalb der Muffathalle fanden wir ein schönes Plätzchen und konnten in der Abendsonne das mexikanische Fast Food testen. Mein Burrito war mit fein gewürztem Entenfleisch gefüllt, einer Spezialität aus Zentralmexiko, und trotz der ordentlichen Größe blitzschnell verschwunden. Die beiden Damen brauchten für ihre vegetarischen Rollen zwar länger, waren aber nicht minder begeistert. Die Soßen und Gewürze sind durchweg frisch und toll abgeschmeckt. Lediglich etwas mehr Salat wäre wünschenswert gewesen, denn die Füllung ist definitiv mehr auf der cremigen als auf der knackigen Seite. Satt ist man meist schon nach einem Burrito, doch die Quesadillas sind einfach viel zu gut, um sie nicht auch noch dazu zu bestellen. Richtig schön käsig, leicht scharf, mit einer leckeren Salsa – mehr braucht es nicht, um mich glücklich zu machen.

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Taqueria Milagros München-4

Fazit: Nicht nur wir, sondern auch alle BesucherInnen, die wir in die mexikanische Street-Food-Szene eingeführt haben, zeigten sich hellauf begeistert von dem kleinen Laden am Isartor. Und wenn es an der Isar zu kalt sein sollte, lässt es sich in der durchgestylten Taquería auch gut drinnen aushalten. Aber auf der schier endlosen Liste der “Sachen, die wir in diesem Sommer nicht genug machen können”, steht “an der Isar sitzen, die Abendsonne genießen, den Fluss rauschen und das Bier gluckern hören und dabei leckere mexikanische Kleinigkeiten futtern” dennoch ganz weit oben. Zum Glück hat der Sommer gerade erst begonnen, und ich freue mich jetzt schon auf den nächsten Ausflug zum Isartor! 4,5 von 5 Horchatas!

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La Taquería Milagros
Zweibrückenstraße 9
80331 München
www.taqueria.de

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Da kündigt man großspurig einen Salat mit gegrillten Thymian-Pfirsichen und Halloumi an, und dann braucht es nur schlappe 18 Monate, bis man endlich mal mit dem Rezept um die Ecke kommt. Faule Ausreden wie “keine Zeit gehabt” und “für so ein aufwendiges Gericht braucht man Zeit und Muße” zählen hier wirklich nicht, denn erstens hat man die wenigen Zutaten für den Salat sehr fix zusammengerührt (und er eignet sich somit auch hervorragend als schnelles Feierabendgericht) und zweitens gab es den Salat seit unserer Ankündigung tatsächlich ganz schön oft zu essen. “Fotografieren vergessen” und “zu hungrig gewesen und alles sofort aufgegessen” sind also schon etwas näher an der Wahrheit. Aber genug der Ausflüchte, denn die Aufmerksamkeit sollte voll und ganz den saftig-süßen karamellisierten Thymian-Pfirsichen und den knusprig gebratenen und im Mund lustig quietschenden Halloumischeiben gebühren, die sich auf der rucolalastigen Grünfläche pudelwohl fühlen und bei uns mittlerweile zum Dauerbrenner avanciert sind. Besser kann der Sommer nicht schmecken!

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Salat mit gegrillten Thymian-Pfirsichen und Halloumi (für 2 Personen als Hauptspeise oder 4 Personen als Vorspeise):

4 Handvoll gemischter Salat
2 EL Himbeeressig (oder einen anderen Fruchtessig)
2 TL brauner Zucker
9 EL Olivenöl
2 EL Naturjoghurt
Salz, Pfeffer
4 reife Pfirsiche
3-4 Zweige Thymian
1 EL Zitronensaft
250 g Halloumi

1. Den Salat waschen und trocken schleudern. Für die Salatsoße Himbeeressig mit einer Prise Zucker, 5 EL Olivenöl und dem Joghurt verrühren. Mit Salz und Pfeffer abschmecken.

2. Die Pfirsiche waschen, halbieren und entsteinen. Den Thymian waschen, trocken schütteln und die Blätter abzupfen. Die Pfirsichhälften in einer Schüssel mit Thymianblättchen, 2 EL Olivenöl, Zitronensaft und restlichem Zucker vermischen.

3. Den Halloumi in ca. 1 cm dicke Scheiben schneiden. Eine Grillpfanne erhitzen, die Pfirsiche darin von beiden Seiten anbraten, bis sie leicht braun geworden sind. Aus der Pfanne nehmen, diese kurz auswischen und dann das restliche Olivenöl darin erhitzen. Den Halloumi darin von jeder Seite ca. 3-4 Min. anbraten, bis er außen gut gebräunt und kross geworden ist. Wer zwei Pfannen hat, kann die Pfirsiche und den Käse natürlich auch parallel anbraten.

4. Den Salat mit dem Dressing vermischen und zusammen mit Pfirsichen und Halloumi auf einem Teller anrichten.

Pfirsich-Halloumi-Salat-2

Die Idee für das Rezept stammt übrigens aus “Vegetarisch! Das Goldene von GU“, das wir an dieser Stelle noch einmal nachdrücklich empfehlen möchten.

Spargel-Spinat-Lasagne-3

Hoppla, Anfang Juni und noch kein Spargelrezept verbloggt. Dabei sind wir seit Saisonstart doch intensiv mit der Vernichtung der deutschen Spargelernte beschäftigt und haben locker schon 10 Kilo der weißen und grünen Stangen zubereitet und vertilgt. Auf die Idee, Spargel in einer Lasagne zu verstecken, sind wir komischerweise erst vor ein paar Wochen gekommen. Aber dank diesem Rezept konnten die zwei Kilo Spargel, die unser Oster-Besuch im Gepäck hatte, in ein köstliches Ofengericht verwandelt werden. Spargel-Spinat-Lasagne hat sich definitiv einen Platz ganz oben auf unserer Was-machen-wir-nur-mit-diesem-ganzen-Spargel-Liste gesichert und wird seitdem regelmäßig aus dem Ofen geholt. Da der Johannistag und somit das offizielle Ende der Spargelsaison bereits seine Schatten vorauswirft, heißt es jetzt hurtig, hurtig an den Ofen – denn ein letztes Mal muss die Spargellasagne noch auf den Teller!

Spargel-Spinat-Lasagne-2

Spargel-Spinat-Lasagne (für 3-4 Personen):

1 kg grüner Spargel
Salz
1 TL Zucker
10 g Butter
750 g Spinat
1 Zwiebel
1 Knoblauchzehe
1 EL Öl
Pfeffer
Fett für die Form
ca. 9 Lasagneblätter
250 g Mozzarella

Für die Béchamelsoße:
50 g Butter
40 g Mehl
etwas gekörnte Brühe

1. Die Enden des Spargels abschneiden, ggf. das untere Drittel schälen. In einem großen Topf Wasser zusammen mit Salz, Zucker und Butter zum Kochen bringen. Den Spargel hineingeben und ca. 5 Min. kochen. Dann unter kaltem Wasser abschrecken und abtropfen lassen. Das Spargelwasser nicht wegschütten!

2. Den Spinat waschen und abschütteln. Zwiebel und Knoblauch schälen und fein würfeln. Öl in einem Topf erhitzen, Zwiebel und Knoblauch darin andünsten. Den Spinat dazugeben und bei mittlerer Hitze zusammenfallen lassen. Mit Salz und Pfeffer abschmecken.

3. Für die Béchamelsoße die Butter in einem Topf zum Schmelzen bringen und das Mehl darin unter ständigem Rühren andünsten. Ca. ½ Liter des Spargelwassers abschöpfen, nach und nach unter die Béchamelsoße rühren und ca. 5 Min. köcheln lassen. Mit Salz, Pfeffer und etwas gekörnter Brühe abschmecken.

4. Den Backofen auf 180°C vorheizen. Eine Ofenform einfetten und mit einer Schicht Lasagneblätter auslegen. Darauf eine Schicht Spargel legen, Béchamelsoße darübergeben und mit einer Schicht Spinat bedecken. So weiter schichten, bis die Zutaten aufgebraucht sind. Mit einer Schicht Spargel enden. Den Mozzarella in Scheiben schneiden und die Lasagne damit belegen. Im Ofen 35-40 Min. goldbraun überbacken.

Falls ihr die letzten Tage der Spargelsaison in vollen Zügen genießen wollt und noch Inspiration braucht, findet ihr hier zwei weitere leckere Spargelrezepte: Tagliatelle mit Spargel, Mandel und Minze, Spargelsalat mit Ziegenkäse und karamellisierten Balsamicozwiebeln.

Alexander_And_James_Whisky_BBQ_Event-5Der Mann hinter der Bar ist Bruce-Lee-Fan. Und so wie Bruce Lee die Geheimnisse seiner Kampfkunst weitergegeben wissen wollte (und sich damit gegen die Tradition der asiatischen Meister stellte), hält auch Atalay Aktas nicht viel von Geheimnistuerei. Andere Barkeeper würden sich wegdrehen, wenn sie ihre besten Drinks mixen, doch der vollbärtige Berliner hält davon nichts. Bereitwillig gibt er sein persönliches Rezept für einen Old Fashioned heraus und erklärt, wie der selbst gemischte Honiglikör hergestellt wird. Das alles wird mit so einer ruhigen, geduldigen und charmanten Art vermittelt, dass man kaum glauben kann, hier Deutschlands besten Barkeeper 2013 vor sich zu haben. Er durfte beim vom Spirituosenkonzern Diageo ausgerichteten Wettbewerb “World Class Bartender of the Year 2013″ antreten und gehört nun dem kleinen Kreis der World Class 50 Bartender an. Und ausgerechnet dieser Virtuose steht nun hinter der kleinen Theke im Cafe Reitschule am Rande des Englischen Gartens in München und mixt beim BBQ-Abend des Spirituosenshops Alexander & James mit bewundernswerter Eleganz einen Whisk(e)y-Cocktail nach dem anderen.

Alexander_And_James_Whisky_BBQ_Event-7

Zwischendurch nimmt er sich Zeit für seine Gäste, beantwortet Fragen nach seinen Whiskyvorlieben (die sich von Bourbon zu rauchigem Scotch gewandelt haben) und erklärt, wie er jeden Drink abschmeckt, bevor er ihn an den Gast rausgibt. Währenddessen mischen sich zwischen die Gerüche von Torf und Roggen weitere Aromen und ziehen mich auf die Terrasse. Dort ist ein großer Grill aufgebaut und es duftet verführerisch. Dry-Aged-Rind, Ibérico-Schwein und Lammkoteletts liegen auf dem Rost und lassen mir das Wasser im Mund zusammenlaufen. Mit einem ersten Drink in der Hand – einem leichten Americano mit Bulleit Rye und Amarenakirsche – fachsimple ich mit den Köchen über Grillfleisch und BBQ-Soßen, und greife schon mal zu den Vorspeisen. Der Grillgeruch macht schließlich hungrig.

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Während wir noch auf der Terrasse stehen und die letzten Schlücke des Americano genießen, werden schließlich die ersten Fleischstücke fertig. Beilagen gibt es auch, aber die werden an so einem Abend eher zu Nebendarstellern. Wenn die Qualität des Fleisches stimmt, reichen ein wenig Salat, ein Stück Maiskolben und etwas hausgemachte Soße vollkommen aus. Den letzten Kick gibt aber der Drink. Denn zu jedem Gang hat sich Atalay Aktas die passende Begleitung im Glas ausgedacht. Rusty Lee (da wären wir dann wieder bei Bruce Lee angelangt) nennt sich die erste Kreation und die Variante des Barklassikers Rusty Nail, die hervorragend zum Rindfleisch passt, das da in perfektem Rosa vor mir auf dem Teller liegt. Im Glas ergänzen sich die beiden kräftigen Islay Single Malts Talisker und Lagavulin sehr harmonisch, während der Honiglikör auf Rum-Whisky-Basis dem Ganzen etwas die Schärfe nimmt. Süchtig machend, und besonders die salzige Note des Talisker 10 ist eine tolle Ergänzung zum Fleisch. Wer braucht noch Salz, wenn er Whisky haben kann?

Rusty Lee (für einen Tumbler)

5 cl Talisker 10
3 cl Lagavulin 16
Honiglikör nach Belieben (gemischt aus gleichen Teilen Lagavulin 16, Zacapa Rum und Waldhonig)
Zitronenzeste

Alle flüssigen Zutaten mit Eiswürfeln in einen Tumbler geben und mit einem Barlöffel gut kalt rühren. Mit der Zitronenzeste zunächst den Rand des Glases aromatisieren und diese dann ins Glas geben.

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Doch so ein Drink zum Fleisch macht natürlich wieder hungrig, und zum Glück brutzeln draußen auf dem Grill noch weitere Fleischstücke vor sich hin. Die Köche haben Mitleid mit mir und so bekomme ich schon vor dem nächsten Gang immer wieder kleine Appetithäppchen über die Theke gereicht. Schließlich ist aber auch beim Lammkarree und dem riesigen Brocken Ibérico-Schwein die richtige Temperatur erreicht und wieder landet wunderbar Gegrilltes auf unseren Tellern. Zu kräftigem Fleisch passt ein kräftiger Drink und Atalay Aktas hat sich hier etwas ganz Besonderes einfallen lassen. Wir sollen auf Soße zum Fleisch verzichten und stattdessen auf die Würze des Drinks vertrauen. Big Bad Snapper hat er seine Kreatur getauft und im Shaker ist doch wirklich etwas von der leckeren Alexander & James-BBQ-Soße gelandet. Als der Drink auf den Tisch gestellt wird, kommt noch eine Umdrehung mit der Pfeffermühle obendrauf und dann heißt es: Augen zu und durch. Und wirklich, die Mischung aus Whisky, Tomatensaft, BBQ-Soße und Eiweiß schmeckt sogar. Der erste Schluck ist ungewohnt, doch nach einem Bissen Fleisch ergibt alles plötzlich Sinn. Meine Erkenntnis? Wer ein richtig cooles BBQ auf die Beine stellen will, sollte auch mal etwas um die Ecke denken.

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Schließlich neigt sich der Tag dem Ende zu und ein letzter Cocktail landet in meiner Hand. Einen Bourbon Vanilla Mule hat Atalay Aktas diesmal zusammengerührt, dessen Vanille- und Ingwerarmomen nach dem deftigen Big Bad Snapper einen schönen Abschluss bilden. Langsam wird auch der Handyakku schwach, denn die Eindrücke des Abends landen natürlich live im Internet. Wer also noch ein paar mehr Impressionen haben möchte, schaut einfach mal auf unserem Pinterest-Board zum Event vorbei.

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Der Abend war ein toller Einstieg in die Open-Air-Grillsaison und jetzt weiß ich: die Drinks sind mindestens genauso wichtig, wie das, was auf dem Grill landet. Alexander & James hat passenderweise in der aktuellen Ausgabe seines Magazins einige Tipps zusammengestellt, wie ihr die beiden Themen perfekt miteinander verbindet. Das gilt natürlich nicht nur für reine Männergrillabende. Denn obwohl der Abend unter dem Motto “Alexander & James zelebriert Gentlemen” stand, sollte klar sein, dass der Rauch – egal, ob er vom Grill oder aus dem Glas stammt – natürlich nicht nur Männer begeistert. Die anwesenden Damen zeigten sich jedenfalls ebenso angetan.

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Dieser Artikel ist mit Unterstützung von Alexander & James und der Agentur Häberlein & Mauerer entstanden. Vielen Dank für die Einladung zum Event. Meine Meinung bleibt davon, wie immer, unberührt.

Tomaten mit Kokos und Chili Nigel Slater Tender Gemüse-2

Jeden Tag ein Buch lautet der schöne Titel einer Aktion, welche die umtriebige Foodbloggerin Astrid Paul von Arthurs Tochter Kocht auf die Beine gestellt hat. Eine Woche lang werden landauf, landab BloggerInnen ihre liebsten Koch- und Genussbücher vorstellen, und da reihen wir uns natürlich gerne ein. Ausgesucht haben wir uns für diese Gelegenheit einen ziemlich dicken Brocken, der uns inzwischen richtig ans Herz gewachsen ist. Nigel Slater heißt der Mann dahinter – einer der wichtigsten Food-Journalisten Englands. Auf über 600 Seiten präsentiert der DuMont Verlag die deutsche Ausgabe seines Bestsellers “Tender|Gemüse” mit über 400 Rezepten. Darüber hinaus finden sich darin massig Informationen zu mehr als 30 verschiedenen Gemüsesorten. Das reicht vom Anbau über die Sortenvielfalt bis zu den verschiedenen Zubereitungsmöglichkeiten.

Dank dieser Fülle an Informationen taugt das Buch also hervorragend als Nachschlagewerk. Auf dem Markt komisches Gemüse angedreht bekommen? In Zukunft kein Problem mehr! Einfach mal nachschauen, was Nigel damit so anstellen würde. Verfasst ist das alles in einem sehr literarischen, persönlichen Stil, der die Lektüre äußerst angenehm macht. Nigel Slater verbindet mit jedem Gericht, ja mit fast jedem Gemüse, eine persönliche Erinnerung, und genau dieser sehr individuelle und begeisterte Zugang unterscheidet das Buch stark von einem üblichen Kochbuch. Ich hatte das Buch deswegen auch eine Weile beim Frühstück neben mir liegen und konnte so vor dem Weg ins Büro noch ein wenig mehr in die Welt des Gemüses (und Nigel Slaters) eintauchen. Nur im Bett lässt sich das Buch eher schlecht lesen, denn bei 2 kg Gesamtgewicht werden schnell die Arme schwer. Wer mehr über Nigel Slaters Werdegang erfahren möchte, sollte sich unbedingt auch den Film Toast anschauen, der auf den Erinnerungen des Food-Enthusiasten beruht.

Tomaten mit Kokos und Chili Nigel Slater Tender Gemüse-4

Inhalt & Optik

Insgesamt macht das Buch einen sehr wertigen Eindruck, hat einen schönen Leineneinband spendiert bekommen und sieht aus, als ob es ein paar Jahre zwischen Regal und Herd überstehen könnte. Das Layout ist angenehm schlicht gehalten und lässt einen die Informationsmassen gut überblicken. Überhaupt steht der Text im Mittelpunkt des Buches, Fotos spielen nur eine Nebenrolle. Wer gerne zu jedem Rezept ein Foto hätte, wird hier enttäuscht werden, aber das ist natürlich auch nicht das Ansinnen dieses Buches. Die Food-Fotos sind ebenfalls ansprechend schnörkellos gehalten und konzentrieren sich ohne viel Schnickschnack auf das Wesentliche. Darüber hinaus begleiten stimmungsvolle Aufnahmen von Gemüse und Pflanzen die einzelnen Kapitel.

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Die Rezepte

400 Rezepte hat Nigel Slater im Buch versammelt – bis man sich da durchgekocht hat, sollte es ein Weilchen dauern. Dem Stil des Buches entsprechend sind auch die Rezepte eher literarisch verfasst. Der Umschlag spricht passenderweise auch von Rezeptideen; vieles eignet sich also als Ausgangspunkt für eigene Kreationen und liefert hervorragende Anregungen, wie mit dem jeweiligen Gemüse umzugehen ist. Das soll allerdings nicht heißen, dass Nigel Slater etwa unkreativ ans Werk gehen würde. Ganz im Gegenteil sind seine simplen Vorschläge oft erstaunlich raffiniert und arbeiten mit interessanten Kombinationen. Ich habe den Eindruck, dass er lieber versucht, mit wenigen Zutaten den Charakter des jeweiligen Gemüses zu erhalten, statt es zu einem Nebendarsteller verkommen zu lassen. Einer der wenigen Kritikpunkte wäre, dass viele Rezepte eher einen Beilagencharakter haben – wer also ein Buch voller Hauptgerichte erwartet, könnte vielleicht enttäuscht werden. Die Umsetzung unserer bisher nachgekochten Gerichte war einfach und erfolgreich, die Speisen konnten geschmacklich mehr als überzeugen. Neben ein paar köstlichen süßlich-scharfen Tomaten mit Chili, Kokos und Ingwer, die wir euch gleich noch genauer vorstellen, waren das u.a. ein Pilaw aus Spargel, Bohnen und Minze sowie eine cremige Pastinakensuppe.

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Gebackene Tomaten mit Chili, Kokos und Ingwer (für 2 Personen):

2 Knoblauchzehen
1 rote Chilischote
1 daumengroßes Stück Ingwer
12 mittelgroße Tomaten (etwa 1300 g)
½ TL Chiliflocken
1 TL gemahlener Koriander
1 TL Kurkuma
½ TL Kreuzkümmel
½ TL Kardamom
1 TL Salz
2 EL Olivenöl
7-8 EL Kokosmilch
1 Handvoll frischer Koriander

1. Den Knoblauch schälen und zusammen mit der Chilischote klein hacken. Den Ingwer schälen und in sehr dünne Scheiben schneiden. 4-5 Tomaten in kleine Würfel schneiden. Die restlichen Tomaten halbieren. Die Gewürze und das Salz in einer Schüssel miteinander vermischen.

2. Das Olivenöl in einer tiefen Pfanne bei mittlerer Stufe erhitzen, dann Knoblauch, Chili und Ingwer so lange darin braten, bis sie weich sind und Farbe angenommen haben. Die Gewürzmischung dazugeben und unter Rühren erwärmen. Die gewürfelten Tomaten und 200 ml Wasser in die Pfanne geben und alles gut verrühren. Die restlichen Tomaten mit der Schnittfläche nach unten in die Soße legen und in 7-8 Min. leicht köchelnd gar werden lassen. Anschließend die Tomaten umdrehen und noch einmal 2-3 Min. weitergaren.

3. Die Kokosmilch löffelweise in die Pfanne geben und die Soße leicht köchelnd etwas eindicken lassen. Die Tomaten sollten am Ende gerade noch zusammenhalten und nicht auseinanderfallen. Währenddessen den frischen Koriander fein hacken und zum servieren über die Tomaten streuen. Dazu passt Reis oder einfach etwas frisches Brot.

Fazit: Nigel Slater hat mit “Tender | Gemüse” ein tolles Nachschlagewerk und eine umfassende Rezeptsammlung zum Thema Gemüse vorgelegt. Auch für KöchInnen, die schon viele Kochbücher ihr Eigen nennen, wird dieser Wälzer noch eine Bereicherung darstellen. Und Menschen, die Gemüse bisher eher skeptisch gegenüberstanden, finden mit dem sympathischen Engländer einen enthusiastischen Fürsprecher, der ihnen neue kulinarische Welten eröffnen sollte. Volle 5 von 5 Gemüsetüten!

Nigel Slater Tender Gemüse CoverNigel Slater

Tender|Gemüse

DuMont Buchverlag, Köln 2012.

39,95€ / ISBN 978-3-8321-9449-9

Vielen Dank an den DuMont Verlag, der uns das Buch zur Verfügung gestellt hat.

 

 

 

 

 

Angesichts der bereits fortgeschrittenen Woche werden wir es wohl leider nicht schaffen, noch ein weiteres Buch im Rahmen der Jeden-Tag-ein-Buch-Aktion vorzustellen, aber schaut doch mal auf der Facebookseite zur Aktion vorbei, klickt hier auf die Links in den Kommentaren oder sucht bei Twitter nach dem Hashtag #jteb, denn außer uns schreiben viele weitere BloggerInnen in diesen Tagen Rezensionen zu Genussbüchern und tun ihre Liebe zu Büchern kund.

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Logodesign by Ariane Bille

Glenmorangie Lasanta Singe Malt Whisky-2

Der Whiskymarkt ist in ständiger Bewegung und ich komme derzeit kaum hinterher, die ganzen Neuerscheinungen im Auge zu behalten, geschweige denn zu probieren. Besonders hektisch wird es immer im Mai, viele Brennereien stellen dann z.B. im Zuge des Islay Festivals ihre neuen Kreationen vor. Ich hatte in den letzten zwei Wochen glücklicherweise die Gelegenheit, zwei Neuerungen aus dem Portfolio des Moët-Hennessy-Konzerns probieren zu dürfen, zu dem u.a. die bekannten Brennereien Glenmorangie und Ardbeg gehören.

Glenmorangie Lasanta

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Am ersten Abend war ich deswegen zusammen mit einer Gruppe JournalistInnen, BloggerInnen und Whiskyinteressierten in Charles Schuhmanns Zweitbar Les Fleurs du Mal eingeladen, um dort den Relaunch des Glenmorangie Lasanta zu verkosten. Der Lasanta ist zwar erst vor knapp fünf Jahren auf den Markt gekommen, konnte aber in dieser Zeit die Erwartungen der Brennerei nicht erfüllen und wurde deshalb von Grund auf überarbeitet. Aus diesem Grund ist auch Karen Fullerton nach Deutschland gereist, die als Global Brand Ambassador von Glenmorangie und Ardbeg an der Entwicklung beteiligt war und außerdem die Entscheidung für den Relaunch bis ins kleinste Detail und mit erstaunlicher Offenheit erklären kann.

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Um einen Vergleich zu haben und ein Gefühl für die grundsätzlichen Merkmale der Brennerei (immerhin ist sie die Destillerie mit den höchsten Brennblasen in Schottland!) zu bekommen, verkosten wir zunächst den zehnjährigen Glenmorangie Original. Dieser milde, leicht florale, fruchtige und malzige Single Malt aus Ex-Bourbon-Fässern bildet die Grundlage, auf der die weiteren Abfüllungen des Konzerns entwickelt werden. Im Falle des Lasanta waren es etwa 50 verschiedene Variationen, die von der Entwicklungsabteilung der Brennerei und dem Master Distiller gemischt wurden, bis sich schließlich ein Mix aus Pedro-Ximénez- und Oloroso-Sherry-Fässern als Favorit herauskristallisierte. Im Vergleich zum ursprünglichen Lasanta ist die neue Variante deutlich weicher und runder geworden. Wo der alte Lasanta sehr würzig, wärmend und mit Aromen wie Zimt daherkam, dominieren beim neuen Lasanta zunächst Ingwer, Marzipan und Trockenobst in der Nase. Auch beim Alkoholgehalt hat sich was geändert, statt 46% sind es jetzt nur noch 43%. Durch die Pedro-Ximénez-Fässer ist beim Geschmack mehr Süße hinzugekommen und die Kanten sind etwas abgeschliffen worden. Mir gefällt die Entwicklung allerdings und ich kann mir gut vorstellen, in Zukunft öfter mal eine Flasche im Regal stehen zu haben.

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Zum Abschluss dürfen wir uns noch selbst als Master Blender versuchen und jeweils aus einer Pedro-Ximénez- und Oloroso-Abfüllung in Fassstärke unseren eigenen Lasanta herstellen. Das ist schwerer als erwartet, und ich bin ganz froh, dass diese Aufgabe sonst von den Damen und Herren in Schottland übernommen wird. Anschließend nimmt sich Karen Fullerton noch die Zeit, sich mit uns über die Erfolgsaussichten deutschen Whiskys, NAS-Abfüllungen (No Age Statements, d.h. Whiskys ohne Altersangabe) und die Entwicklung von Whiskyleidenschaft im Studium auszutauschen. So endet ein schöner Abend und ich freue mich schon, den neuen Lasanta in Zukunft öfter mal im Glas haben zu können.

Ardbeg Auriverdes

Ardbeg Auriverdes Single Malt Whisky-2

Der zweite Pflichttermin im Mai war das Pre-Tasting der diesjährigen limitierten Ardbeg-Abfüllung. Ich habe ja bereits im vergangenen Jahr begeistert über den Ardbog geschrieben, und auch diesmal hat das Ardbeg-Team um Bill Lumsden hervorragende Arbeit geleistet. Passend zur WM in Brasilien hat sich das Marketingteam außerdem eine Fußballkampagne einfallen lassen und sogar den Whisky entsprechend benannt: Auriverdes – das steht zum einen für das Gold des Whiskys und das Grün der Insel Islay und ist “zufälligerweise” auch der Name der brasilianischen Nationalelf. Auf jeden Fall schön stimmig und Ardbeg hat definitiv ein Händchen dafür, sich auch über den Geschmack seiner Abfüllungen hinaus interessant zu machen. Aber hier soll es natürlich ganz objektiv um das gehen, was vom Glas in den Mund wandert, und ich hatte zum Glück mehr als genügend Zeit, den Auriverdes ausführlich zu probieren.

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Natürlich beginnt auch das Pre-Tasting im Schummerlicht der Münchner Bar Gabanyi nicht sofort mit dem Highlight des Abends, sondern zunächst erzählt Thomas Zilm, Brand Ambassador von Ardbeg, etwas mehr über die Destillerie an sich. Während wir ihm lauschen, können wir noch einmal die Single Malts der Core Range probieren. Alle Ardbeg-Whiskys basieren auf dem gleichen New Make Spirit, einem Destillat von 69% (das übrigens nach Bamberger Rauchbier riecht, wenn man es sich auf die Haut reibt), das erst durch die unterschiedliche Fasslagerung seinen individuellen Charakter entwickelt. 60-70% seines Geschmacks erhält ein Whisky aus dem Fass, und so ist klar, dass bei Ardbeg viel Wert auf das richtige Holz gelegt wird. Für den Einsteigerwhisky, den Ardbeg TEN, kommen z.B. hochwertige 1st- und 2nd-Fill-Bourbon-Fässer aus amerikanischer Weißeiche zum Einsatz, die für eine knackige Schärfe sorgen. Beim Uigeadail sind es dagegen Sherry-Fässer, deren Weinaromen (bei einem Weinfass stecken bis zu zehn Liter Flüssigkeit im Holz!) die Torfigkeit dämpfen und den Uigeadail deutlich weicher und süßer werden lassen. Wer auf Winteraromen steht, sollte hier mal eine Nase riskieren! Bei meinem Favoriten, dem Corryvreckan, ist dagegen wenig gedämpft. Neben den bekannten Bourbon-Fässern sind Fässer aus französischer Eiche am Geschmack beteiligt und das Tanin dieses Holzes sorgt für deutlich mehr Würze. Die 57.1% tun ihr Übriges, sodass man es hier eher mit einem stürmischen Herbstnachmittag, als mit einem gemütlichen Winterabend zu tun hat. Kein Whisky für jeden Tag, aber einer mit viel Charakter.

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Dann endlich kommt der Star des Abends ins Glas. Ardbeg hat es geschafft, die jährlichen Abfüllungen zu einem weltweiten Spektakel werden zu lassen, bei dem der Ausverkauf am ersten Tag schon garantiert ist. Ich bin also gespannt, ob diesmal die vorher schon kursierenden Gerüchte über die hohe Qualität des Auriverdes gerechtfertig sind. Im Glas schimmert er wirklich schön golden und nicht besonders dunkel. Gelagert wurde das Destillat in 1st- und 2nd-Fill Bourbon-Fässern, doch anders als beim TEN kamen zusätzlich noch Fässer mit speziell getoasteten (also angekohlten) Deckeln zum Einsatz. In der Nase gibt er sich zunächst erstaunlich unspektakulär, sehr zurückhaltend, mit Anklängen von Honig und Karamell. Im Mund entfaltet der Single Malt allerdings eine ganz eigene Kraft. Der erste Schluck ist richtig süß, die Vanille der Bourbon-Fässer kommt zum Vorschein, und vor allem ist er ziemlich vollmundig. Irgendwie auch saftig, man hat regelrecht das Gefühl, in ihn reinbeißen zu können, fast ist man versucht, auf der Flüssigkeit herumzukauen. Nach einem Moment im Mund kommen die von Ardbeg gewohnten Torf- und Salz-Aromen zum Vorschein, drängen sich aber nicht zu sehr in den Vordergrund. Nach einer Weile an der Luft wird der Auriverdes schließlich rauchiger, die Kohle der gerösteten Deckel macht sich jetzt stärker bemerkbar und auch im Mund breitet sich nach einiger Zeit eine gewisse kohlige Trockenheit aus. Das ist gar nicht so unangenehm wie man zunächst  denken mag, sondern eher spannend und macht Lust auf ein ordentliches BBQ. Der Abgang ist schön lang und die ordentlichen 49.9% rinnen erstaunlich sanft die Kehle herunter. Zusammenfassend also ein verdammt gut ausbalancierter Singe Malt, der dem Arbdeg-Portfolio eine neue, etwas sanftere Note hinzufügt, ohne zu gefällig zu sein. In jedem Fall ein Whisky, von dem man gerne mehr als nur ein Dram trinken will und den ich mir toll an einem warmen Sommerabend auf dem Balkon (oder einer Dachterrasse in Sevilla) vorstellen kann.

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Wer bisher noch nie einen Ardbeg probiert hat, am 31.5. – dem Ardbeg Day 2015 – bereit ist, sich in eine lange Schlange einzureihen und 72€ übrig hat, sollte auf jeden Fall zuschlagen! Alle Ardbeg-Fans wissen eh, dass sich der Weg zum Spirituosenhändler ihres Vertrauens (in München wird z.B. der Whisky-Shop Tara einen limitierten Vorrat haben) lohnt. Ich selbst muss am Ardbeg Day arbeiten, in mein Regal wird es also leider keine Flasche schaffen. Schade eigentlich, denn ich hätte den Auriverdes gerne noch etwas näher kennengelernt.

Vielen Dank an Tobias von Moët Hennessy für die Einladungen zu den beiden Whisky-Tastings. Meine Meinung bleibt davon natürlich unberührt.

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Die Sonne brutzelt, durch die Luft wehen Grillgerüche – endlich hat ein Hauch von Sommer auch München erreicht. Was gibts da Besseres, als die sommerlichen Temperaturen auszukosten und nach dem Feierabend den Biergarten zu stürmen? … Na, die Gin & Tonic-Bar – ha! Denn seit dem 12. Mai und bis zum 7. Juni lädt die Gin & Tonic-Pop-up-Bar von Edinburgh Gin auf dem Münchner Viktualienmarkt (nicht nur) zum Afterwork-Drink ein.

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Aber wie kommt ein schottischer Gin eigentlich nach München? Ganz einfach – über die Städtepartnerschaft, die Edinburgh und die bayrische Landeshauptstadt seit 60 Jahren verbindet. Die Idee, das Jubiläum einer Städtepartnerschaft mit der Eröffnung einer Pop-up-Bar zu feiern, finden wir grandios! Um gleichzeitig die schottisch-englische Freundschaft zu pflegen, hat Edinburgh Gin auch noch Fever-Tree ins Boot geholt, die die Pop-up-Bar mit ihren köstlichen Tonics unterstützen. Von der gelungenen Umsetzung und der Vielzahl an schottischen (und englischen) Köstlichkeiten, die die Pop-up-Bar anbietet, durften wir uns kürzlich selbst überzeugen.

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Keinesfalls entgehen lassen sollte man sich z.B. die Scottish Hugos (je 7€) – ein erfrischender Mix aus Gin, Gin-Likör (wahlweise mit Himbeer- oder Holundernote), Prosecco und Soda. Aber auch die klassischen Gin & Tonics (je 9€) können überzeugen. Hier hat man die Möglichkeit, seinen Gin mit den verschiedenen Fever-Tree-Tonics zu kombinieren: ganz traditionell mit herbem Zitrusaroma mit dem Premium Indian Tonic und Orangenzeste oder würzig-kräuterig mit dem Mediterranean Tonic und einem Rosmarinzweig. Etwas ungewöhnlicher und nicht auf der Standardkarte zu finden sind die Kombinationen mit dem neuen Elderflower Tonic und einer Himbeere (fruchtig-floral und eigentlich etwas zu süß für den Edinburgh Gin) sowie dem Fever-Tree Bitter Lemon (hinter dem sich eigentlich ein Lemon Tonic verbirgt), das sich aber grundsätzlich im Wodka besser aufgehoben fühlt. Grundlage all dieser Drinks ist der Edinburgh Gin, der mit 16 Botanicals aufwarten kann. Neben den üblichen Zutaten sorgen schottischer Wacholder, Heidekraut, Kiefer und Mariendistel für eine besonders wacholdrige Note und unterstreichen die schottische Herkunft.

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Bevor man sich jedoch ungebremst dem Gin & Tonic-Konsum hingibt, sollte man besser nach einer der nahrhaften Grundlagen greifen, die die schottische Bar außerdem anbietet, z.B. belegte Sandwiches oder eine äußerst leckere Tomatensuppe mit Gin-Sahne. Danach sollte der Verkostung weiterer Drinks nichts mehr im Wege stehen.

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Wer sich durch das Angebot der schottischen Gin-Tonic-Bar probieren möchte, sollte sich beeilen, denn die Bar auf dem Viktualienmarkt (gegenüber dem Biergarten) hat nur noch bis zum 7. Juni 2014 (täglich von 12 bis 20 Uhr) geöffnet. Schade eigentlich, denn wir wären dort sicherlich häufiger zu Gast!

Vielen Dank an Edinburgh Gin, Fever-Tree und storykitchen für die Einladung zum Tasting. Unsere Meinung bleibt davon, wie immer, unberührt.

Möhren-Haselnuss-Salat mit Dill-2

Was das Kochen unter der Woche angeht, bin ich ja eher faul. Meine Lust, mich abends noch eine halbe Ewigkeit in die Küche zu stellen und ein ausgeklügeltes Gericht vorzubereiten, ist verhältnismäßig überschaubar. Pasta mit Rucola, Pesto oder ein schneller Gemüseauflauf sind da meist die Retter in der Not. Noch fauler bin ich, wenn ich abends nach Hause komme, der Mann unterwegs ist und ich für mich alleine kochen muss. Der Abstecher zum Kühlregal des Supermarkts wäre da sicher naheliegend, allerdings ist ein gewisser kulinarischer Anspruch trotz aller Kochunlust dann ja doch noch vorhanden. Für solche faulen Momente ist der Möhrensalat mit Haselnüssen und Dill, den ich in Lisa Lemkes Buch “Sommerküche” entdeckt habe, geradezu prädestiniert! Fünf Zutaten und 15 Minuten später steht ein Teller Möhrensalat auf dem Tisch, dem man die Einfachheit, die dahintersteckt, keineswegs anschmeckt. Perfekt für ein schnelles Abendessen und sicherlich auch für die nächste Grillparty!

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Möhren-Haselnuss-Salat mit Dill (für 2 Personen):

25 g Haselnusskerne
200 g Möhren
25 g Butter
10 g Dill
Meersalz

1. Die Haselnüsse in einer Pfanne ohne Fett rösten, kurz abkühlen lassen und groß hacken. Die Möhren schälen und in dünne Späne hobeln. Den Dill waschen, trocken schütteln und fein hacken.

2. Die Butter in einem kleinen Topf bei mittlerer Hitze zerlassen, bis sie goldbraun ist. Die Möhren in eine Schüssel geben, die warme Butter über die Möhren träufeln, Haselnüsse und Dill unterheben und mit Meersalz abschmecken. Den Salat auf zwei Teller verteilen und sofort servieren.

Der schicke neue Teller stammt übrigens von Maxwell & Williams, die uns kürzlich mit einem Paket voller schönem Geschirr überrascht haben. Hier ein kleiner Einblick, für welche Teller, Vasen, Schüsseln & Co. wir nun ein wenig Platz in unseren (leider übervollen) Küchenschränken schaffen müssen:

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Dem einen oder anderen Prachtstück werdet ihr hier nun sicher häufiger begegnen – wir sind jedenfalls ganz angetan von unseren hübschen neuen Mitbewohnern. Falls euch Maxwell & Williams noch kein Begriff sein sollte, lohnt sich ein Blick in den Onlineshop, denn das Sortiment der australischen Marke ist nicht nur schön anzusehen, sondern auch für einen sehr fairen Preis zu erstehen.

Vielen Dank an Maxwell & Williams, die uns eine Auswahl ihres Geschirrs zur Verfügung gestellt haben. Unsere Meinung bleibt davon natürlich unberührt.

San Sebastián Donostia kulinarisch3-1

Wie ihr vielleicht schon in unserem Tortilla-Post oder über Twitter und Instagram mitbekommen habt, hat es uns Anfang April ins schöne Baskenland verschlagen. Paella, Tapas, Crema catalana – die spanische Küche hatte es uns ohnehin schon ziemlich angetan, auch wenn sie auf den ersten Blick nicht unbedingt vegetarierInnenfreundlich erscheint. Doch was uns da im Norden Spaniens, allen voran in San Sebastián, erwartete, war kulinarisch gesehen mit Abstand wirklich das Beste, das uns je in Spanien auf die Teller kam! Let’s talk Pintxos! – Um Himmels willen, wir ahnten ja nicht, welche großartigen, kreativen und mutigen Geschmacksexplosiönchen sich hinter der baskischen Tapas-Version verbergen würden. WAHNSINN, wir sind ganz offiziell pintxosüchtig!

Keinen halben Tag brauchte es, da hatte das Küstenstädtchen San Sebastián (oder Donostia, wie der baskische Name des Seebads lautet) bereits unser Herz erobert, denn die Kombination aus traumhaft schönem Stadtstrand, schroffer Atlantikküste, satt-grüner Landschaft, kleinen verwinkelten Gässchen, hübschen Geschäften, freiem W-LAN in den Bussen und einer Aneinanderreihung kulinarischer Highlights ist eigentlich unschlagbar. Grund genug also, San Sebastián einen Beitrag zu widmen und ein paar unserer kulinarischen Highlights an euch weiterzugeben. Im Übrigen lässt es sich hier auch als VegetarierIn vorzüglich aushalten (auch wenn es, wie in allen Regionen Spaniens, sicherlich hilfreich ist, ein paar Worte Spanisch zu sprechen, um gezielt nach vegetarischen Speisen zu fragen).

Unsere kulinarischen Tipps für San Sebastián:

San Sebastian Donostia Bretxa Azkena-1

{Bar Azkena} Womit startet man einen kulinarischen Streifzug durch eine Stadt besser als mit einem Rundgang durch die lokale Markthalle? Gerade in Spanien gehört für uns der Besuch von Markthallen zum absoluten Pflichtprogramm. Das Vorbeiflanieren an filigran konstruierten Gemüsetürmen, an prall gefüllten Olivenauslagen, an Bergen von Trockenobst sollte man sich keinesfalls entgehen lassen (ok, ich gebe zu – die großen Fisch- und Fleischabteilungen samt Innereien, Schafsköpfen und Co. erspare ich mir meist). Die meisten Markthallen beheimaten darüber hinaus auch kleine Stände, an denen man gut und günstig einen Café con leche und ein kleines Frühstück erstehen kann. So auch La Bretxa, die im Zentrum San Sebastiáns gelegene große Markthalle. Etwas versteckt, am Stand mit der Nummer 36, findet man dort mit der Bar Azkena eine hervorragende Frühstücksmöglichkeit. Nimmt man Platz an der langen Theke der Eckbar, ist man auch früh morgens schon versucht, nach einem der unzähligen und hübsch drapierten Pintxos zu greifen, die sich vor einem auftürmen. Die obligatorische Bollería – eine Auswahl an süßem Gebäck, das bei keinem spanischen Frühstück fehlen darf -, findet man hier natürlich auch, darüber hinaus gibt es ausgesprochen guten Kaffee, vorzügliches Rührei mit Champignons, einen sympathischen Inhaber und nette, redselige Rentner, die ihre Kaffees bereits morgens mit klaren Flüssigkeiten “aufwerten” – was will man mehr? Bar Azkena // Mercado la Bretxa, Stand 36.

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{Pastelería Oiartzun} Praktisch gelegen am Rand der Altstadt und einen Steinwurf von der Promenade entfernt, kommt man an der Auslage der Pastelería Oiartzun nicht vorbei, ohne dass einem das Wasser im Munde zusammenläuft. Also schnell reinspringen, die große Theke mit feinstem Gebäck bestaunen und sich mit einer der Köstlichkeiten auf der Terrasse niederlassen – oder besser noch: sich von der riesigen Auswahl an Kuchen, Keksen und anderen Süßspeisen etwas einpacken lassen! Mit Sonne und Wind im Gesicht und dem Blick aufs Meer schmecken die kleinen Köstlichkeiten der Pastelería gleich noch besser. Sehr zu empfehlen sind die großen und saftigen Kokosbollen und die Mini-Tarta-de-Vasca. Pastelería Oiartzun // Calle Igentea 2.

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{Ni Neu} Das moderne Veranstaltungsgebäude Kursaal beheimatet nicht nur ein nobles Restaurant, sondern auch das dazugehörige, günstigere – aber nicht weniger empfehlenswerte – Café Ni Neu. Insbesondere die Plätze auf der schönen Sonnenterrasse laden dazu ein, sich hier am Nachmittag vom Stadtbummel zu erholen. Dort sitzt man herrlich entspannt zwischen Fluss und dem Surferstrand Zurriola, blickt auf die Altstadt und kann seinen Kaffee genießen. Außerdem haben wir dort eine ganz neue Süßspeise kennengelernt: die Torrija caramelizada, eine samtigere, karamellisierte Variante des Armen Ritters – unfassbar gut und unbedingt empfehlenswert! Wenn ihr also mal dort in Donostia in der Sonne landen solltet, lasst euch diese Köstlichkeit nicht entgehen! Ni Neu // Avenida de Zurriola 1.

San Sebastian Donostia Hotel de Londres y de Inglaterra-1

{Hotel de Londres y de Inglaterra} Verregnete Nachmittage lassen sich besonders gut im Café des Hotels de Londres y de Inglaterra verbringen. In blaue plüschige Sofas gekuschelt und mit freiem Blick auf die Playa de la Concha und die Promenade lässt sich mit einer Tasse Tee der Verdruss über das schlechte Wetter schnell wegschlürfen. Und sollte das Regenwetter doch mal etwas länger anhalten, empfiehlt es sich, mit dem kleinen knarzenden Aufzug bis ins oberste Stockwerk zu fahren. Dort warten bequeme Sofas und eine stilsichere Auswahl an internationaler Literatur, in die man mehr als nur ein Weilchen versacken kann. Hotel de Londres y de Inglaterra // Calle Zubieta 2.

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{Borda Berri} Erster Abend, erste Pintxo-Bar und gleich ein Volltreffer! Das kleine rustikale Borda Berri setzt auf eine übersichtliche Auswahl an warmen Pintxos, die alle auf Zuruf frisch in der Küche zubereitet und nicht wie in vielen anderen Bars auf der Theke präsentiert werden. Eine Tafel an der Wand kündigt das Angebot des Tages an, auch hier findet man zwei bis drei vegetarische Optionen. Dass sich hinter dem besten Risotto, das wir je essen würden (!!!), eigentlich ein Fake-Risotto mit Puntalette verbirgt, hätten wir uns vorher auch nicht träumen lassen. Doch das Pilzrisotto auf Sauerrahmspiegel ist so cremig und perfekt abgeschmeckt, dass wir gleich eine zweite Portion hinterherbestellen müssen. Auch die restlichen Pintxos sind mehr als überzeugend – alles recht deftig, aber immer raffiniert kombiniert und toll angerichtet. Hier fällt es schwer, sich nicht einfach durch die gesamte Karte zu probieren: der gratinierte Ziegenkäse mit Kirschkonfitüre ist ein weiteres Highlight, die gefüllte Paprika mit Ziegenfleisch und einer vor Knoblauch nur so strotzenden Aioli sowie die gebratene Ente mit Waldmeistersoße lassen Steffen wohlig grinsen. Zum Abschluss ein dunkler Schokoladenpudding mit Birnenkompott und Cointreau und wir sind im Himmel! Hatte ich eigentlich schon erwähnt, wie gut das Risotto ist? Borda Berri // Calle Fermín Calbetón 12.

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{Casa Urola} Schon nach dem ersten Abend gefällt uns das Prinzip des Txikiteos – der baskischen Art des Barhoppings (essen, trinken und in der nächsten Bar wiederholen) – so gut, dass wir unsere Pintxo-Tour durch die Altstadt San Sebastiáns auch die nächsten Tage fortsetzen. Vom etwas unterkühlten Ambiente der Casa Urola sollte man sich keineswegs abschrecken lassen, denn innen erwartet einen eine vollbepackte Theke mit warmen und kalten Leckerbissen. Besonders erwähnenswert sind die marinierten Artischocken auf schwarzer Oliventapinade und krossem Brot sowie Steffens marinierter Thunfisch und die hausgemachten, mit Schinken gefüllten Kroketten. Wem nach etwas mehr ist, als nach ein paar Pintxos, findet im ersten Stock übrigens auch ein hochgelobtes Restaurant.
Casa Urola // Calle Fermín Calbetón 20.

San Sebastian Donostia Pintxos Txalupa-1

{Bar Txalupa} Eine der traditionelleren Einrichtungen in der Fermín Calbetón ist die Bar Txalupa. Die lange schmale Bar hat sich auf etwas klassischere und unprätentiösere Pintxos spezialisiert, die in riesiger Auswahl auf der langen Theke präsentiert werden. Sofort ins Auge springt aufgrund seiner knalligen Farbe der gebratene Ziegenkäse mit Tomatenmarmelade. Die Marmelade ist köstlich, der Käse extrem kräftig, beides zusammen harmoniert wunderbar. Steffen lässt sich vom Kellner eine geschmorte Rinderschulter empfehlen, die Spezialität des Hauses, und wird nicht enttäuscht. O-Ton: “So zart, dass sie auf der Zunge zerfällt.” Wenn das mal nicht ein guter Abschluss des Abends ist!
Bar Txalupa // Calle Fermín Calbetón 3.

San Sebastian Donostia Pintxos Atari-1-2

{Atari Gastroteka} ¡Atari, nuestro amor! Eine Bar, die sich auf Pintxos und Gin Tonics spezialisiert hat – wir fühlen uns sofort zu Hause. Gleich mehrere Abende enden hier; immer pappsatt, immer feuchtfröhlich, immer beglückt. Ab 19.30 Uhr versammeln sich die Pintxo- und Gin-Aficionados San Sebastiáns in der modernen Atari Gastroteka und stürmen die häppchenbeladene Theke. Hier sieht einfach alles großartig aus – gegrillte Aubergine mit Rucola, Ziegenkäse und Tomate gefüllt, Mini-Veggie-Burger mit Kürbiscreme, Patatas Bravas, Schinkenspieße mit getrockneten Tomaten, Ziegenkäse und Zwiebel-Chutney. Steffen ist froh, beim Steak-Workshop seine Vorliebe für kurzgebratenes Fleisch entdeckt zu haben und kommt aus dem Schwärmen für sein Solomillo teriyaki gar nicht mehr heraus. Im Schatten der hübschen Basilíca de Santa Maria del Coro futtern sich die köstlichen Atari-Pintxos quasi wie von selbst. Wir möchten einfach nur hierbleiben und uns beim Pintxos knabbern durch das Gin-Tonic-Sortiment der Bar schlürfen. Das klingt nämlich ebenfalls ganz hervorragend. Schon die Standarddrinks mit Wacholderbeeren und Zitronenschale können überzeugen, doch wer sich hier die tollen Premium-Gin-Tonics, z.B. mit Apfel-Rosmarin und G’Vine oder Zitrone-Pomelo und Botanic-Gin, entgehen lässt, dem ist auch nicht mehr zu helfen. Allergrößte Empfehlung! Atari Gastroteka // Calle Mayor 18.

San Sebastian Donostia Pintxos A fuego negro-1

{A Fuego Negro} Punk meets pintxo oder so ähnlich. Mit einer Rock’n’Roll-Bar, die Harold McGees “On Food and Cooking” im Regal stehen hat, kann man eigentlich nicht viel falsch machen. Die graue Tafel über der Theke kündigt wilde Kreationen an, die Tortilla wird auf einem Plattenteller präsentiert und Steffens Augen könnten beim Anblick seines Mini-Burgers mit Wagyu-Rind, Tomaten Bun und Bananenchips (Makcobe con txips) nicht größer sein. Mein Oliven-Algen-Risotto ist ebenfalls köstlich. So köstlich sogar, dass wir sofort nach den beiden eigenen Kochbüchern der Bar fragen, die über der Theke prangen. Wahnsinn, welche kleinen Wunderwerke hier im Fuego Negro vollbracht werden, die Molekularküche lässt grüßen. A Fuego Negro // Calle 31 de Agosto 31.

San Sebastian Donostia Pintxos Zeruko-1

{Bar Zeruko} Noch einen Schritt weiter geht die Bar Zeruko – hier grüßt die Molekularküche nicht nur, man befindet sich bereits mittendrin im Experimentierkasten. Am Tisch neben uns steigt Rauch auf, Kameras werden von alles Seiten gezückt, und wir brauchen eine Ewigkeit, um uns zu entscheiden, welche der verrückten Kreationen wir probieren möchten. An den abenteuerlichen Pintxos, die auf der Theke aufgefahren werden, können wir uns einfach nicht sattsehen. Keine der kunstvoll inszenierten Speisen lässt auf den ersten Blick erahnen, was sich dahinter verbirgt. Glibbrige Kugeln mit irgendeiner Füllung, bunte gummiartige Würfel, kleine grüne Nester mit … ach, ich habe keinen Schimmer! Hier ist man wirklich auf die Hilfe der Kellner angewiesen, um nicht in einer vermeintlichen Süßspeise plötzlich Gänseleber herauszuschmecken. Freundlich werden uns auch die vegetarischen Optionen gezeigt, deren Anzahl zwar übersichtlich ist, aber geschmacklich mehr als zufriedenstellt. Für mich gibt es Ziegenkäse mit Apfel und Honig sowie eine Filoschleife gefüllt mit Mozzarella auf Apfelkompott. Steffen ist wagemutiger und traut sich an eine kleine Dose mit Fischeintopf und einen gefüllten Seeigel. Dazu trinken wir – wie fast immer – ein Gläschen Txakoli, ein traditioneller fruchtig-säuerlicher Wein aus dem Baskenland, der aus theatralischer Höhe in die Gläser gegossen wird. Wer Apfelwein mag, wird sich sicher auch mit Txakoli anfreunden können. Bar Zeruko // Calle Pescadería 10.

San Sebastian Donostia Pintxos La Viña Tarta de queso-1

{La Viña} Ein kleines Stück Käsekuchen für 5€? Ganz schön happig! Aber allein dafür lohnt sich der Besuch im traditionellen La Viña. Denn so eine cremige, samtige und leichte Variante der Tarta de queso haben wir selten probiert. Ganz klar, der Hype um die Spezialität des Hauses ist berechtigt! Auf die Frage, wie viele Käsekuchen am Tag hergestellt würden, lächelt der Kellner nur: “muchísimas” – seeeehr viele! Wir zählen spät am Abend allein über 20 große Kuchen, die sich am Ende der Bar stapeln und überlegen kurz, ob wir nicht als Wegzehrung für die Fahrt nach Bilbao einen ganzen Käsekuchen mitnehmen sollten. Die Vernunft siegt, wir lecken unsere Gabeln noch einmal ab, zahlen und schlendern ein letztes Mal durch die Gassen der nächtlichen Altstadt.
La Viña // Calle 31 de Agosto 3.

San Sebastian Donostia Pintxos-1-3

Huch, das waren jetzt ganz schön viele Tipps – wir hätten sogar noch mehr auf Lager, denn so ziemliche jede Bar, die wir in San Sebastián besucht haben, konnte mit hauseigenen Pintxo-Spezialitäten aufwarten. Wer auf Pintxo-Tour gehen möchte, sollte sich übrigens entgegen der generellen spanischen Essgewohnheit nicht allzu spät auf den Weg machen. Während man in spanischen Restaurants in der Regel vor 21.30 Uhr auf leere Tische und Stühle blickt, füllen sich die typischen Pintxo-Bars bereits ab 19/19.30 Uhr. Startet man seine Tour zu spät, muss man in Kauf nehmen, dass beliebte Pintxos bereits vergriffen sind und nicht mehr aufgefüllt werden. Hier gilt also, der frühe Vogel fängt den Pintxo!

Wer aktuell keinen Urlaub in Nordspanien plant, aber dennoch in den Genuss von Pintxos kommen möchte, sollte unbedingt mal einen Blick in das Buch “Pintxos de vanguardia a la donostiarra” werfen – eine großartige (Rezept-)Sammlung der besten avantgardistischen Pintxo-Bars San Sebastiáns. ¡On egin!

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